Der Holsteiner als Wirtschaftspferd bis 1960

Bereits 1830 wurde in der Kremper Marsch der erste Pferdezuchtverein gegründet. Wichtigste Aufgabe war die Durchführung von Tierschauen mit Prämierungen von Hengsten und Stuten. Diese Vereine gingen dann in allgemeine Landwirtschaftsvereine auf. Von 1883 bis 1897 wurden dann spezielle Pferdezuchtverbände gegründet, die dann zum "Verband der Pferdezüchter in den holsteinischen Marschen" zusammenwuchsen. Schwerpunkte der Zucht lagen in den Elbmarschen und Dithmarschen mit den angrenzenden Geestgebieten des Kreises Pinneberg und Steinburg.
Die sehr intensive Verbandsarbeit unter Führung von Georg Ahsbahs führte schon bald zu großen Erfolgen. Die Wanderausstellungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) wurden 1887 und in Frankfurt am Main und 1888 in Breslau mit jeweils 8 Stuten beschickt, die viele und hohe Preise errangen. In den folgenden Jahren reihten sich die Schauerfolge aneinander. 1894 konnten auf der Pferdeschau in Berlin die Holsteiner die meisten Preise mit nach Hause nehmen. Auch auf den damals sehr bedeutsamen Weltausstellungen kamen die Hosteiner Pferde zu Ruhm. Das internationale Interesse war geweckt, so daß  zwischen 1889 und 1914 über einhundert Hengste nach Nord- und Südamerkia exportiert wurden.
Mit dem ersten Weltkrieg kam der Export zum Stillstand. Die Bedingungen für die Zucht waren schlecht, aber viele wertvolle Stutenstämme wurden von den Bauern trotz geringer Erlöse erhalten. 1935 schlossen sich die beiden Pferdezuchtverbände die sich in Geest und Marsch gebildet hatten zusammen zum "Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes" zusammen. Der Sitz war fortan in Elmshorn.
Die Zucht war zu dieser Zeit auf die Remonte-Produktion ausgerichtet, neben Pferden für die Landwirtschaft wurden insbesondere Remonten für die Atillerie geliefert. In den Jahren nach 1935 bis ca. 1955 erlebte die Holsteiner Zucht eine Blütezeit. Der Bedarf an Pferden in der Landwirtschaft uns zur Aufbau der Wehrmacht für den zweiten Weltkrieg war groß. Zur gleichen Zeit entwickelte sich der Pferdesport. Die Holsteiner waren schon bald in der ganzen Welt als hervorragende Springvererber bekannt. Die deutschen Reiter, unter ihnen zahlreiche Offiziere, ritten mit Holsteiner Pferden von Sieg zu Sieg und sorgten dafür, daß der deutsche Pferdesport zum besten der Welt wurde.
Mit dem zweiten Weltkrieg war der Pferdesport dann zunächst unbedeutend geworden. Viele Pferde gingen mit dem Rußlandfeldzug in Ostgebiete. Nach dem Weltkrieg trug insbesondere Gustav Rau zu dem erneuten Aufschwung bei. Mit dem Gedanken "Ländliche Reiter auf ländlichen Pferden" begeisterte er die Reiterjugend nach der Feldarbeit ihre Pferde zu satteln und für Turniere zu trainieren. Mit dem Gespann wurden die Turniere angefahren. Die Pferde wurden abgespannt und in Dressur- Spring- und Geländeprüfungen gestartet.  Die Veranstaltungen wurden von viel Sportgeist getragen, Preisgelder waren gering. Am Abend  warteten die Pferde geduldig auf das Ende des Reiterballs, um ihre muntere Fracht dann ohne Angst vor Führerscheinkontrollen nach Hause zu bringen.
Das Holsteiner Pferd war bald weltberühmt auf Turnieren. Dieser Siegeszug war eng mit dem Namen Fritz Tiedemann verknüpft. Springpferde für den internationalen Sport wurden in Elmshorn ausgebildet. Berühmte Reiter wie H.G. Winkler, Anna Clement, Sönke Sönksen, Hermann Schridde, Kurt Jarasinki und viele mehr verließen sich auf die Holsteiner "Jumper".
Mit fortschreitender Motorisierung war der bis dahin bevorzugte Wirtschaftstyp des Holsteiner Pferdes bald nicht mehr gefragt. Die Pferdezucht dezimierte sich schnell, ein veredeltes, vielseitiges Pferd  für den Sport galt es jetzt zu züchten. Vollbluthengste wie Anblick xx, Frivol xx, Trebonius xx, Alabaster xx und Wanderfalk xx kamen zum Einsatz.